Wie ich nach Deutschland kam

 

Ich gehöre der Generation der Iranischen Revolution an, war 17 Jahre alt und gehörte mit 18 Jahren zu den Erstabiturienten nach der Revolution. Danach war ich Student an der Teheraner Universität.

Nach der Revolution gab es eine Übergangphase, in der es „ziemlich frei und demokratisch“ zuging. Wir dürsteten nach Wissen und wollten die Welt zu verstehen. Wir haben viel gelesen und viel diskutiert. Im Nachhinein muss ich sagen: Wir waren jung, naiv, unerfahren, gutgläubig und Idealisten. Wir glaubten fest daran, eine bessere Welt erschaffen zu können, ohne echtes Verstehen von Machtverhältnissen.

Nach einem Jahr Studium kam die Kulturrevolution, und die Universitäten wurden geschlossen. Viele von uns wurden von der Uni suspendiert. Danach kam der Irakangriff. Der Krieg begann und mit ihm der Machtkampf zwischen den Parteien im Iran.

Es war der Beginn der Diktatur und des Überwachungsstaates. Überall waren die Revolutionswächter, Hunderte wurden jeden Tag ohne Prozess hingerichtet. Es herrschte die totale Angst, Bücher wurden verbrannt. Es erinnerte mich an die Orwellsche Welt.

Heute sieht es im Iran etwas besser aus.

Ich sah für mich keine Zukunft in meinem Heimatland und bin im Winter bei Eiseskälte und manchmal bis zu den Hüften eingesunken in Schnee zu Fuß in die Türkei geflüchtet, ohne zu wissen, wo ich am Ende landen würde.

Auf dieser Flucht wurde ich krank und depressiv. Als ich in Deutschland mithilfe anderer Iraner ankam, stürzte ich in ein tiefes Loch: in einem fremden Land, krank, hilflos und ohne Sprachkenntnisse war ich auf mich allein gestellt.

Nach einigen Monaten bin ich zu einer Ärztin gegangen, die mir geholfen hat, wieder „auf die Füße“ zu kommen.

Allerdings kamen die Depressionen immer wieder. Seit über zehn Jahren bin ich allerdings viel stabiler geworden und habe keinen Rückfall mehr erlebt.

Meine Generation ist die verbrannte Generation, viele von uns sind im Krieg umgekommen, viele wurden Kriegsinvaliden, viele wurden hingerichtet, viele sind im Gefängnis gelandet, wurden gefoltert, viele haben die Heimat verlassen. Heute habe ich Freude am Leben und fühle mich glücklich. Ich bin nicht reich, aber ich habe zwei gute Freunde, die mir sehr wichtig, und die für mich da sind und mir Halt geben, wenn ich Hilfe brauche.

 

 

Die Flucht

 

Mit einem Rucksack

flüchtete ich

in ein unbekanntes Land

 

Ich verabschiedete mich vom Leben 

und begegnete 

am Ende einer Straße 

einem neuen Dasein

 

Ich sank in mich hinein

und träumte

dass ich mit dem Schiff der Zeit

in die Zukunft reise

 

Ich sah

ein verschwommenes Bild

 

und die Angst

und ich sank in mich hinein


Glück

 

In meiner Stille

möchte ich das Glück spüren

mich mit ihm vereinigen

und in den Himmel schweben

 

Mich mit dem strahlenden Licht

der Sonne verbinden

die Schwingungen meines Herzens

mit den Sternen in Einklang bringen

 

Ich kenne die Unglücklichen

die nur Kälte spüren

in deren Nacht

keine Sterne funkeln

deren Tag

von Wolken verdunkelt ist

 

Ich kenne ihre Tränen

ihre Sehnsucht

nach einem Fünkchen Glück

ich kenne ihre Schmerzen

ihre Ängste, ihre Zweifel

die Versuchung aufzugeben

 

Kommt mit

zusammen wollen wir

ein Hoffnungslied anstimmen

 

und anfangen das Glück

miteinander zu teilen